„Wenn Engel reisen, lacht der Himmel“

Bei strahlendem Sonnenschein beendete der „Engel der Kulturen“ seinen Weg über fünf Stationen am alten Rathaus der Stadt Bielefeld. Dort erhielt die Intarsie des Kunstwerks seinen Platz auf dem Treppenabsatz.

VON MANFRED FIEDLER

Die von den Künstlern Gregor Merten und Carmen Dietrich gestaltete Skulptur, die den Davidstern, das Kreuz und den Halbmond als Symbole der drei abrahamitischen Religionen enthält, war als Symbol der Toleranz und des friedlichen Miteinanders durch Bielefeld gerollt worden. Von der Synagoge über die Bückhardt-Schule, das Islamische Zentrum in der August-Bebel-Straße, die Ev. Altstädter Nicolai-Kirche und die Kath. St. Jodokus-Kirche, wo jeweils ein kleines Programm vorbereitet war und ein temporärer Sandabdruck des Engels hinterlassen wurde, gelangte die von Schülerinnen und Schülern sowie weiteren Bielefeldern begleitete Stahl-Skulptur schließlich zum Rathaus.

In einer kleinen Feierstunde wurden nach der Begrüßung durch Sozialpfarrer Matthias Blomeier verschiedene Grußworte gehalten. Bürgermeister Hans-Jürgen Franz begrüßte die Aktion und das Abrahamsfest, als wichtigen Beitrag für das friedliche Zusammenleben der Kulturen in der Stadt Bielefeld.

Superintendentin Regine Burg sprach von dem „Engel der Verständigung“, der in unserer Stadt überall sichtbar werden sollte, „wenn es einmal schwierig wird“, um für Frieden, Mitmenschlichkeit und Toleranz zu sorgen.

Als Zeichen für das langjährige, friedliche Zusammenleben der Mitglieder der drei großen Religionen in unserer Stadt deutete Ahmadd Elmahgary das Kunstwerk. „Alle drei Religionen haben eine Wurzel, die jetzt hier in den Boden getrieben wird. Das gemeinsame Wirken des Guten ist Gottes Wille,“ betonte der Vorsitzende des Islamischen Zentrums, indem er aus einer Koransure zitierte.

Hier bekommt der „Engel der Kulturen“ als Intarsie seinen Platz in Bielefeld. Bei dem Kunst-Event beteiligt waren (v.l.) die Künstlerin Carmen Dietrich, Ahmadd Elmahgary, der Vorsitzende des Islamischen Zentrums, Irith Michelsohn, Vertreterin der Jüdischen Kultusgemeinde, Klaus Fussy, Dechant der katholischen Dekanats Bielefeld-Lippe, Matthias Blomeier, Sozialpfarrer des Kirchenkreises Bielefeld, Regine Burg, Superintendentin des Kirchenkreises Bielefeld und der Künstler Gregor Merten. FOTO: MANFRED FIEDLER

Dechant Klaus Fussy erzählte von seinem Besuch in Rom, wo ein Treffen der Religionen in ganz großem Rahmen alljährlich stattfände. Dieses weltweite Netzwerk für Frieden verglich er mit dem Abrahamsfest in unserer Stadt. „Wir leben in einer Welt, die eins werden muss“ betonte Fussy, „lassen Sie uns auch in dieser Stadt damit beginnen“.

Irith Michelsohn, Vertreterin der Jüdischen Kultusgemeinde wünschte, dass es nie einen Streit zwischen den drei abrahamitischen Religionen geben möge. Sie wünsche sich Offenheit auch für die Flüchtlinge, die in unsere Stadt kommen möchten. Dafür könne die Intarsie eine Mahnung auch für die Entscheidungsträger der Stadt sein. Musikalisch wurde die Veranstaltung von einer Musikgruppe des Gymnasiums am Waldhof gestaltet.

Im Anschluss brannte der Künstler mit dem Schneidbrenner eine neue Intarsie, die in der Stadt Brühl ihren Platz bekommen soll. Der Weg der Skulptur wird also weiter gehen. So solle eine „gemeinsame Verantwortung für ein friedliches Miteinander“ von einer Stadt zur nächsten weiter gereicht werden, betonte die Künstlerin Carmen Dietrich in ihrem Schlusswort.

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